Gruppenranking

Von den gesamthaft zu vergebenden 100 Qualitätspunkten erreicht das Echo der Zeit ganze 85. Damit belegt die SRF-Sendung den ersten Rang in der Gruppe Radio- und Fernsehsendungen. Auch im Gesamtvergleich aller untersuchten Informationsangebote schneidet kein Medientitel besser ab.

Die NZZ bleibt Qualitätssiegerin in der Gruppe Tages- und Onlinezeitung, muss sich ihr Podest jedoch neu mit Le Temps teilen. Die beiden überregionalen Abonnementszeitungen liegen mit je 80 Qualitätspunkten an der Spitze sämtlicher untersuchter Medien.

Die Sonntagszeitungen und Magazine werden von der NZZ am Sonntag angeführt. Nur ganz knapp dahinter steigt WOZ Die Wochenzeitung in das Gruppenranking ein, die neu in das MQR aufgenommen wurde. Beide Titel erzielen mit rund 77 Punkten ebenfalls Bestwerte im Gesamtrating.

Am unteren Ende des Qualitätsspektrums führt neu lematin.ch (52 Qualitätspunkte) die Gruppe Boulevard- und Pendlerzeitungen an. Die vormalige Siegerin 20minuten.ch büsst dagegen gegenüber 2016 vier Ränge ein. watson.ch, das erstmalig dieser Gruppe zugerechnet wird, kann beinahe mit dem Gruppensieger lematin.ch mithalten. Das Schlusslicht, mit 41 Punkten, bildet erneut die Newssite aus dem Hause Ringier, blick.ch.

Gesamtqualität: Aufsteiger und Absteiger gegenüber 2016
Die Mehrheit der 50 untersuchten Schweizer Informationsmedien schafft es im Vergleich zur letzten Messperiode, ihre Gesamtqualität stabil zu halten. Bei 10 Titeln sind jedoch substanzielle Qualitätsveränderungen beobachtbar – nach oben wie nach unten.

Zu den Qualitätsgewinnern zählen die TV- und Radionachrichtensendungen des SRF: Rendez-vous und 10vor10. Sie legen 6 bzw. 4 Qualitätspunkte zu. Während bei 10vor10 beide Analysemethoden in ähnlichem Ausmass zur Steigerung beitragen, ist der Qualitätszuwachs bei Rendez-vous stark durch die positiveren Umfragewerte getrieben. Le Temps (+5) konnte sich ebenfalls steigern und auch hier tragen hauptsächlich die Pluspunkte bei der Qualitätswahrnehmung zum besseren Ergebnis bei. Darüber hinaus gelingt es den beiden sonntäglich erscheinenden Boulevardblättern Le Matin Dimanche und SonntagsBlick, ihre Werte klar zu verbessern. Während bei Le Matin Dimanche wiederum die Befragten die treibende Kraft waren, erklärt sich das Ergebnis bei dem Sonntags-Boulevardblatt von Ringier durch deutlich gestiegene Leistungen in der Berichterstattungsqualität.

Die Qualitätsverlierer sind nzz.ch (-3 Punkte), die Berner Zeitung (-4), die Basler Zeitung (-4), watson.ch (-4) und 20minuten.ch (-5). Die letzten drei verbuchen in beiden Messverfahren weniger Qualitätspunkte. Die Punkteeinbusse bei nzz.ch ergeben sich massgeblich aufgrund negativerer Umfrageergebnisse. Umgekehrt sind bei der Berner Zeitung vor allem die inhaltsanalytisch gemessenen Qualitätswerte rückläufig.

Berichterstattungsqualität: Aufsteiger und Absteiger gegenüber 2016 15 der untersuchten 50 Informationsmedien büssen gegenüber 2016 substanziell an Qualitätspunkten ein, nur 4 verbessern sich.

Bei den regionalen Abonnementszeitungen lassen sich die grössten Einbussen beobachten: 24 heures (-8 Qualitätspunkte), Berner Zeitung (-6), Aargauer Zeitung (-6).

Treibende Faktoren sind der weniger ausgewogene Themenmix (Vielfalt) sowie rückläufige Hintergrundberichterstattung (Einordnungsleistung). Anscheinend hinterlässt der Spardruck in den Printredaktionen seine Spuren.

Qualitätswahrnehmung: Aufsteiger und Absteiger gegenüber 2016
Entgegen der tendenziellen Verschlechterung der inhaltsanalytisch gemessenen Berichterstattungsqualität scheint das Publikum überwiegend Verbesserungen wahrzunehmen. In 15 Fällen bewerten die Befragten die Nachrichten des entsprechenden Titels als qualitativ klar stärker gegenüber 2016.

Insbesondere die Informationsangebote der Suisse romande, unbesehen ihrer Mediengattung, haben Qualitätspunkte dazugewonnen. Léman Bleu (+11), Le Temps (+8), Le Matin Dimanche (+6) und die Radionachrichten auf RTS (Le 12h30) mit (+5) gehören zu den Topaufsteigern. Im Zuge der Zusammenlegungen und Schliessungen von Redaktionen spitzt sich die Medienkrise in der Suisse romande immer mehr zu. Offensichtlich veranlasst diese Entwicklung das Publikum zu Solidaritätsbekundungen, die sich in steigenden Qualitätswahrnehmungen ausdrücken.

Ein weiteres Schema, das sich in den Befragungsergebnissen widerspiegelt, sind die vergleichsweise ausgeprägten Qualitätszugewinne bei den SRG-Nachrichten. Hier liegt nahe, dass es sich dabei um einen Vertrauensbeweis des Publikums handelt. Dies vor dem Hintergrund einer heiss umstrittenen Debatte über die geplante Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren (No-Billag-Initiative), die für den öffentlichen Rundfunk massive Einschnitte mit sich gebracht hätte. Es zeigt sich, dass die teilweise vehemente und emotional geführte Kritik an der SRG in der Medienöffentlichkeit und auf Social Media die Sympathie und Unterstützungsbereitschaft dem öffentlichen Rundfunk gegenüber eher erhöht hat.

Nur wenige Titel büssen umfrageseitig signifikant an Qualitätspunkten ein, wobei sich kein klares Muster erkennen lässt. Fallspezifisch sind die Veränderungen auf strukturelle Umbrüche und öffentliche Kontroversen zurückzuführen (zB. Basler Zeitung mit -4). Die stark auf unterhaltende News setzenden Deutschschweizer Titel 20 Minuten, 20minuten.ch sowie watson.ch gehören ebenfalls zu den Absteigern in der umfrageseitigen Qualitätsmessung. Ihr Angebot wird von den Befragten über alle Qualitätsdimensionen hinweg deutlich niedriger bewertet als noch vor 2 Jahren.