Gruppenranking

Von den maximal 100 erreichbaren Qualitätspunkten erreicht das Echo der Zeit 85. Damit belegt die Informationssendung von SRF Radio zum dritten Mal in Folge den ersten Rang in der Gruppe Radio- und Fernsehsendungen. Das Echo der Zeit ist somit der Leuchtturm der medienöffentlichen Kommunikation in der Schweiz, denn auch im Gesamtvergleich schneidet kein Informationsmedium besser ab als die tagesaktuelle Hintergrundsendung, die nach einigem politischen Gerangel nun doch weiterhin in Bern statt in Zürich produziert wird.

Weitere Leuchttürme in der Schweizer Medienlandschaft sind die NZZ-Informationsangebote. Die NZZ und deren Onlinependant nzz.ch führen mit 81 und 79 Qualitätspunkten die Tages- und Onlinezeitungen an, die NZZ am Sonntag setzt sich mit 76 Qualitätspunkten an die Spitze der Sonntagszeitungen und Magazine. Die drei NZZTitel werden somit dem statutarischen Auftrag ihres Mutterhauses gerecht, Qualitätsjournalismus zu liefern.

In der Gruppe der Boulevard- und Pendlerzeitungen stechen die Westschweizer Newssite lematin.ch und das Nachrichtenportal watson.ch heraus, die mit 55 und 54 Qualitätspunkten die Gruppe anführen. Das Printpendant des Gruppensiegers lematin.ch wurde vor zwei Jahren eingestellt.

Gesamtqualität: Aufsteiger und Absteiger gegenüber 2018 Den grössten Sprung nach vorne hat in der aktuellen Untersuchung ein Boulevardmedium geschafft: Die Newssite blick.ch legt sowohl in der Berichterstattungsqualität als auch bei der Publikumswahrnehmung um je 6 Punkte zu und reicht dadurch die rote Laterne an die Westschweizer Pendlerzeitung 20 minutes weiter. Die beiden Newssites nzz.ch und bernerzeitung.ch können sich gegenüber 2018 ebenfalls – um jeweils 4 Qualitätspunkte – verbessern. Mit dieser Qualitätssteigerung gelingt es der bernerzeitung.ch sogar, ein ehernes Gesetz aus den beiden vorherigen MQR zu widerlegen: Nicht länger übertreffen die Printausgaben deren Onlinependants. Im aktuellen MQR-20 erzielen die bernerzeitung.ch und blick.ch mehr Qualitätspunkte als ihre gedruckte Pendants. Die Newssite nzz.ch erreicht inzwischen fast das Qualitätsniveau der Printausgabe – eine Entwicklung, die vor einigen Jahren noch schwer vorstellbar war.

Sämtliche Sonntagszeitungen und Magazine haben gegenüber 2018 partiell an Qualitätspunkten verloren. Die Ausnahme ist der SonntagsBlick, der zwar keinen Punktverlust verbuchen muss, jedoch weiterhin das Schlusslicht der Vergleichsgruppe bildet. Diese Verluste im Gesamtscore sind mehrheitlich auf die Verschlechterung der Berichterstattungsqualität, weniger auf Verschlechterungen in der Qualitätswahrnehmung zurückzuführen.

Im Gegenzug sind viele Qualitätsverbesserungen bei den Boulevardund Pendlerzeitungen auszumachen. Immerhin sechs von acht Medientitel konnten ihre Gesamtscores in dieser Gruppe verbessern. Vor allem das Publikum schätzt die Qualität als klar besser ein. Auch hier sind es mit lematin.ch und watson.ch zwei Onlineangebote, welche die Vergleichsgruppe glänzen lassen.

Doch auch bei den klassischen Printmedien gibt es erfreuliche Entwicklungen. In der Gruppe der Tages- und Onlinezeitungen zählen Der Bund, die Berner Zeitung und die Südostschweiz zu den weiteren Qualitätsgewinnern. In der Gruppe der Radio- und Fernsehsendungen können die Newssite srf.ch/news sowie die Nachrichten auf Tele 1 und die SRF – Tagesschau ihre Qualität gegenüber 2018 steigern.

Den grössten Absturz im diesjährigen Medienqualitätsrating muss Le Temps verkraften. Obwohl der inhaltliche Qualitätsrückgang moderat ausfällt, sinkt die Qualitätszeitung aus Lausanne in der Gunst des Publikums. Während sich Le Temps vor zwei Jahren noch das Siegerpodest mit der NZZ teilte, reicht es aktuell nur für den vierten Rang in der Vergleichsgruppe der Tages- und Onlinezeitungen.

Berichterstattungsqualität: Aufsteiger und Absteiger gegenüber 2018 Von den 49 untersuchten Informationsmedien haben 24 an Berichterstattungsqualität eingebüsst. Den stärksten Qualitätsverlust verbucht die Westschweizer Sonntagszeitung Le Matin Dimanche (–9). Ebenfalls rückläufig ist die Berichterstattungsqualität bei der Luzerner Zeitung (–7), der WOZ (–6), 10vor10 (–6) und 20 minutes (–5). In der Gruppe der Sonntagszeitungen und Magazine ist zu beobachten, dass ausnahmslos alle Titel Qualitätspunkte verlieren.

Erfreulich hingegen ist, dass 20 der 49 Informationsmedien ihre Berichterstattungsqualität steigern konnten. Am stärksten gelang dies der Newssite blick.ch, welche vor zwei Jahren noch auf dem letzten Rang landete. Schlusslicht des Rankings ist neu die Westschweizer Pendlerzeitung 20 minutes. Die vier Newssites nzz.ch (+5), tagblatt.ch (+5), bazonline.ch (+5) und lenouvelliste.ch (+5) erzielen ebenfalls einen deutlich höheren Score als noch zwei Jahre zuvor.

Qualitätswahrnehmung: Aufsteiger und Absteiger gegenüber 2018
Bei 24 von 49 Informationsmedien nimmt das Publikum Verbesserungen wahr, wie aus der repräsentativen Bevölkerungsbefragung hervorgeht. Die Südostschweiz (+7) gewinnt in den Augen der Befragten am meisten Qualitätspunkte hinzu. Dieser Qualitätsanstieg ist insofern bemerkenswert, als die Berichterstattungsqualität konstant geblieben ist und das Blatt seit Jahren keine eigene Bundeshausredaktion aufweist. Die meisten Publikumsaufsteiger gehören der Gruppe der Boulevard- und Pendlerzeitungen an. In dieser Gruppe können ohne Ausnahme alle Titel an Qualitätspunkten gewinnen, darunter lematin.ch (+6), Blick (+6) und blick.ch (+6), die Pendlerzeitungen 20 Minuten (+5), 20 minutes (+5), 20minuten.ch (+5) und 20minutes.ch (+2) sowie watson.ch (+4).

Allerdings erzielen in der Befragung 20 der 49 Informationsmedien schlechtere Ergebnisse als noch zwei Jahre zuvor. Einen sehr starken Verlust muss Le Temps verkraften (–9). Womöglich merkt die traditionell gebildete Leserschaft der Qualitätszeitung, dass die Redaktion in den letzten Jahren verkleinert wurde. So wurde unter anderem eine Kooperation mit der Freiburger Zeitung La Liberté eingegangen, um über die Bundespolitik aus Bern zu berichten. Die Newssite bazonline.ch (–5) verliert ebenfalls deutlich. Hier könnte eine Rolle spielen, dass das Publikum angesichts des Eigentümerwechsels zur Zürcher TX Group (ehemals Tamedia) im Jahr 2018 nicht recht weiss, woran es bei der Basler Zeitung ist. Auch könnte die nicht selten säkularisierende und polarisierende Berichterstattung der Basler Zeitung die Qualitätswahrnehmung bei ihrem Stammpublikum negativ beeinflussen. In der Gruppe der Radio- und Fernsehsendungen verlieren Le Journal von Léman Bleu (–3) und die News von TeleBärn (–4).