Qualitätsverständnis und Vorgehen

Das Medienqualitätsrating (MQR) analysiert und bewertet die Qualität von reichweitenstarken Informationsmedien aus der Deutschschweiz und der Suisse romande. Für die Ausgabe 2018 wurden 50 Medientitel der Gattungen Presse, Radio, Fernsehen sowie aus dem Onlinesegment berücksichtigt, das sind 7 mehr gegenüber der ersten Ausgabe aus dem Jahr 2016. Um die Privatrundfunklandschaft besser abzudecken, wurden die Hauptnachrichtensendungen von Tele 1, Tele M1 und TeleBärn aufgenommen. Ebenso sind nun auch die Ostschweiz mit dem St. Galler Tagblatt samt Onlineausgabe sowie Bern noch vollständiger mit dem Bund Teil der Untersuchung. Schliesslich wurde WOZ Die Wochenzeitung der Gruppe der Sonntagszeitungen und Magazine hinzugefügt.

Es wurden ausschliesslich General-Interest-Medien einbezogen, d.h. Medientitel, die zumindest wöchentlich über ein breites, universelles Themenspektrum unter Einschluss von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft berichten.

Ziel des MQR bleibt es, eine Bestenliste der qualitativ hochwertigsten Informationsmedien in der Schweiz zu erstellen und die Entwicklung der Medienqualität in der Schweiz abzubilden.

Dieses Rating erfolgt je gesondert für vier Mediengruppen mit einer vergleichbaren publizistischen Ausrichtung:

  • Vergleichsgruppe 1: Tages- und Onlinezeitungen. Die erste Gruppe rekrutiert sich aus den traditionellen Abonnementszeitungen und deren jeweiligen Onlineausgaben. Sie umfasst insgesamt 21 Medientitel: 24 heures, 24heures.ch, Aargauer Zeitung, Basler Zeitung, bazonline.ch, Berner Zeitung, bernerzeitung.ch, Le Temps, letemps.ch, Le Nouvelliste, lenouvelliste.ch, Luzerner Zeitung, luzernerzeitung.ch, Neue Zürcher Zeitung, nzz.ch, Tages-Anzeiger, tagesanzeiger.ch, Südostschweiz. Neu aufgenommen wurden der Bund, das St. Galler Tagblatt sowie tagblatt.ch.
  • Vergleichsgruppe 2: Sonntagszeitungen und Magazine. Die zweite Gruppe umfasst wöchentlich erscheinende Presseerzeugnisse, d.h. die Sonntagszeitungen und die Magazine. Es handelt sich hier um Informationsmedien, die typischerweise auf Einordnung und Hintergrundberichterstattung spezialisiert sind und auf Aufmerksamkeit erzeugende Primeurs, d.h. Erstveröffentlichungen brisanter Themen, abzielen. Diese Gruppe zählt insgesamt sieben Medientitel: NZZ am Sonntag, SonntagsZeitung, Schweiz am Wochenende, Weltwoche, Le Matin Dimanche, SonntagsBlick. Neu aufgenommen wurde WOZ Die Wochenzeitung.
  • Vergleichsgruppe 3: Boulevard- und Pendlerzeitungen. Die dritte Gruppe rekrutiert sich aus Boulevard- und Pendlerzeitungen mit ihren Print- und Onlineausgaben. watson.ch wechselt aus der Vergleichsgruppe 1 zu den Boulevard- und Pendlerzeitungen. Dies sind zumeist sehr reichweitenstarke Angebote, die auf rasch konsumierbare News sowie auf Unterhaltung spezialisiert sind. Die Gruppe umfasst insgesamt 9 Medientitel: 20 Minuten, 20minuten.ch, 20 minutes, 20minutes.ch, Blick, Blick.ch, Le Matin, lematin.ch, watson.ch.
  • Vergleichsgruppe 4: Radio- und Fernsehsendungen. Diese Gruppe umfasst private und öffentliche, gebührenfinanzierte Informationssendungen, die im Radio und Fernsehen gesendet werden, sowie zugehörige Onlineportale. Ingesamt handelt es sich um 13 Titel, d.h. 6 Radio- und Fernsehsendungen der SRG SSR, die beiden SRG SSR-Onlineportale sowie 5 Informationssendungen eines nicht konzessionierten und eines konzessionierten, gebührenuntersützten Privatfernsehprogramms: SRF – Tagesschau, SRF – 10vor10, SRF – Echo der Zeit, SRF – Rendez-vous, srf.ch/news, RTS – Le Journal, RTS – Le 12h30, rts.ch/info, TeleZüri ZüriNews, Léman Bleu – Le Journal. Neu aufgenommen wurden die Hauptnachrichtensendungen von Tele 1, Tele M1 und TeleBärn.

Dem Projekt liegt ein demokratietheoretisch begründeter Qualitätsbegriff zugrunde. Demzufolge bemisst sich Medienqualität daran, wie gut Informationsmedien den demokratischen Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation dienen (Hagen 2015, McQuail 1992, Schatz & Schulz 1992). Es werden drei zentrale Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation postuliert, die an folgenden Leitfragen festgemacht werden können:

  • Integrationsfunktion: Berichten Medien in ausreichendem Mass über das für das demokratische Gemeinwesen allgemein Relevante anstatt über das Partikuläre und Private? Vermeiden Medien ausgrenzende oder abwertende moralisch-emotionale Zuspitzungen und Polemik? Pflegen sie einen Diskursstil, welcher die Verständigung zwischen unterschiedlichen Gruppierungen und gesellschaftlichen Kräften unterstützt?
  • Kontrollfunktion: Kontrollieren Informationsmedien die rechtsstaatlichen Institutionen sowie die Machtträger der Gesellschaft auf der Basis guter Gründe und fundierter Recherche? Operieren sie unabhängig von staatlicher und wirtschaftlicher Beeinflussung? Halten sie in ihrer kritischen Berichterstattung die Grundsätze des professionellen Informationsjournalismus ein, d.h., trennen sie beispielsweise Nachrichten von Meinungen und machen sie die Quellen ihrer Berichterstattung transparent?
  • Forumsfunktion: Bieten die Informationsmedien allen gesellschaftlichen Akteuren mit ihren Meinungen ein Forum? Vermeiden sie Vereinseitigungen? Bildet die Berichterstattung die gesellschaftliche Vielfalt ausreichend ab, was die beleuchteten Themen, Perspektiven und Meinungen betrifft?

Dieses demokratietheoretische Qualitätsverständnis ist institutionell breit abgestützt: Es findet sich in den gesetzlichen Anforderungen an den öffentlichen und privaten Rundfunk mit Leistungsauftrag, in den Leitbildern des professionellen Journalismus, in journalistischen Leitlinien, in den Satzungen von Presse- und Medienräten und in sozialwissenschaftlichen Qualitätsanalysen. Auch ist dieses Qualitätsverständnis gesellschaftlich fest verankert: Es bildet – wie mit diesem wissenschaftlichen Bericht erneut belegt werden kann – den Massstab, anhand dessen das Publikum die Qualität des Journalismus bewertet.

Die Qualität der Medien wird auf der Grundlage von vier Qualitätsdimensionen operationalisiert, d.h. für die empirische Sozialforschung messbar gemacht:

  • Relevanz, d.h. Fokussierung auf gesellschaftlich relevante Themen, Verhältnis von Hardnews und Softnews, Einfluss auf die politische Meinungsbildung.
  • Vielfalt der Themen und Blickwinkel.
  • Professionalität in Form von Sachlichkeit, Quellentransparenz und Eigenleistung.
  • Einordnungsleistung in Form der Vermittlung von Hintergrundwissen zu aktuellen Ereignissen, des Aufzeigens von Ursache-Wirkung-Beziehungen, der Qualität journalistischer Recherche sowie in Form der Interpretations- und Orientierungsleistung.

Das MQR stützt sich auf zwei einander ergänzende Messverfahren bzw. Module:

Das Modul Berichterstattungsqualität: Erfasst die Berichterstattungsqualität der Medientitel aus der Deutschschweiz und der Suisse romande mit inhaltsanalytischen Verfahren. Ganze Publikationsausgaben eines Medientitels werden auf der Grundlage einer repräsentativen, über das ganze Untersuchungsjahr verteilten Stichprobe untersucht. Verantwortlich für dieses Modul ist das fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (Prof. Dr. Mark Eisenegger und Team).

Das Modul Qualitätswahrnehmung: Erfasst die Qualitätswahrnehmung der untersuchten Medientitel mit einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage in der Deutschschweiz und der Suisse romande. Durchgeführt und verantwortet wird dieses Modul von Prof. Dr. Diana Ingenhoff vom Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (DCM) der Universität Fribourg unter Mitarbeit von Dr. Philipp Bachmann vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ) der Universität Zürich. Die Befragungsdaten wurden vom Marktforschungsinstitut GfK Switzerland erhoben.

Da beide Module Medienqualität auf der Basis aufeinander abgestimmter Indikatoren erfassen, ist es möglich, die Ergebnisse der inhaltsanalytisch erfassten Berichterstattungsqualität (Qualitätsscores) mit den mittels Onlinebefragungen gemessen Qualitätswahrnehmungen des Publikums zu vergleichen. Darüber hinaus erlaubt es das abgestimmte Messkonzept, die Ergebnisse aus beiden Erhebungen zusammenzuführen. Der Gesamtscore bildet ein integriertes Konzept von Qualität ab, das sowohl die inhaltliche Angebotsqualität als auch die publikumsseitige Qualitätswahrnehmung umfasst und somit gesamthaft die Qualität eines Medientitels ausweist.