Radio- und Fernsehsendungen

Über ein neuartiges Coronavirus in China berichteten internationale Medien erstmals Ende 2019. Danach breitete sich das Virus über die Welt aus und erreichte im Februar 2020 die Schweiz. Anfangs war über das Coronavirus kaum etwas bekannt, entsprechend gross war die Unsicherheit in der Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund sind die Befragungsdaten zu deuten, die im Zeitraum vom 21. Februar bis 9. März 2020 erhoben wurden.

In Krisenzeiten wächst das Bedürfnis nach etablierten Informationsangeboten. In dieser Zeit erzielten die Sendungen des SRF Rekordquoten. «Die Tagesschau wurde wieder zum Lagerfeuer der Nation»,

wie ein Tagesschau-Moderator im Magazin der NZZ am Sonntag zitiert wird (26/2020, S. 13). Offenbar hat die vorherrschende Unsicherheit dazu geführt, dass die Befragten die Qualität vieler SRF-Angebote höher einschätzen als in den Jahren zuvor. Trotzdem scheinen Krisen für SRG-Angebote kein Selbstläufer zu sein: SRF – Rendez-vous verliert einen Punkt, und ein Blick in die Westschweiz zeigt, dass die beiden RTS-Sendungen und die RTS-Newssite nicht im gleichen Masse von der Coronakrise profitieren können.

Qualitätswahrnehmung (Bevölkerungsbefragung)

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität

Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums Die Grafik zeigt für die Inhaltsanalyse (X-Achse) und die Befragung (Y-Achse), ob eine Sendung unterdurchschnittliche (-1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Sendungen, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Sendungen ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass die jeweiligen Rundfunksendungen in der Umfrage besser bewertet wurden. Kommen die Rundfunksendungen unterhalb der Diagonale zu liegen, haben sie in der Inhaltsanalyse besser abgeschnitten.

Lesebeispiel: Echo der Zeit erreicht sowohl in der Publikumsbefragung wie auch in der inhaltsanalytisch erfassten Berichterstattungsqualität überdurchschnittlich hohe Werte.

Die SRG-Titel sind eine Klasse für sich Zu der Gruppe der Radio- und Fernsehsendungen zählen acht Sendungen der SRG, darunter die beiden Newssites srf.ch/news und rts.ch/info, sowie fünf Sendungen von privaten Regionalsendern. Die Qualität der SRG-Sendungen ist ausnahmslos hochwertig. An der Spitze fährt – wie in den beiden Messperioden zuvor – die Radiosendung Echo der Zeit, die ihren Ruf als Flaggschiff des Schweizer Radios einmal mehr bestätigt. Die drei SRF-Sendungen 10vor10, Tagesschau und Rendez-vous liegen so eng beieinander, dass man kaum einen Unterschied zwischen ihnen ausmachen kann. Etwas dahinter positionieren sich die RTS-Sendungen Le 12h30 und Le Journal sowie die Newssites rts.ch/info und srf.ch/news.

Die fünf untersuchten Nachrichtensendungen privater TV-Anbieter können – auch aufgrund der deutlich geringeren Ressourcen – nicht mit den SRG-Programmen mithalten und bilden ein eigenes Cluster. Die fast horizontale Aufreihung verrät, dass einerseits das Publikum die Qualität dieser Sendungen sehr ähnlich einschätzt, andererseits die Inhaltsanalyse qualitative Unterschiede sichtbar macht. Inhaltlich schneidet in dieser Untergruppe Le Journal auf Léman Bleu am besten ab, gefolgt von den Tele 1 – Nachrichten, den ZüriNews auf TeleZüri und Aktuell auf Tele M1. Le Journal auf Leman Bleu kommt dabei relativ nahe an die Berichterstattungsqualität der SRG-Angebote heran.