Sonntagszeitungen und Magazine

Die Coronakrise hat deutlich gemacht, dass die heutigen Mediengesellschaften durch einen nie abreissenden Strom an Nachrichten geprägt sind. Liveticker, Pushnachrichten und soziale Medien zeichnen sich durch eine fortlaufende Fixierung auf die Gegenwart aus. Die Einordnung in Zusammenhänge bleibt hierbei häufig auf der Strecke. Sonntagszeitungen und Magazine können Orientierung stiften. Der wöchentliche Erscheinungsrhythmus lässt Zeit für relevante Themen, aufwendigere Recherchen, inhaltliche und geografische Vielfalt, einordnende Hintergrundberichterstattung und das Einhalten hoher journalistischer Standards. Im Idealfall gelingt es Sonntags- bzw. Wochenzeitungen und Magazinen, mit ihren Berichten starke Reaktionen in der Öffentlichkeit auszulösen und Debatten zu beleben. Angesichts ihrer wichtigen gesellschaftlichen Funktion ist bedenklich, dass die Inhaltsanalyse für alle untersuchten Medientitel in der Vergleichsgruppe niedrigere Werte ausweist als noch zwei Jahre zuvor. Mit anderen Worten: Bei allen Sonntagszeitungen und Magazinen sind die gemessenen Werte zur Berichterstattungsqualität gesunken. Der SonntagsBlick bildet insofern eine Ausnahme, weil er gegenüber 2016 leicht an inhaltlicher Qualität gewonnen hat. Doch ist dies wenig tröstlich, da der SonntagsBlick – wie in den Jahren zuvor – das Schlusslicht in der Vergleichsgruppe bildet.

Berichterstattungsqualität (Score Inhaltsanalyse)

Die Aufschlüsselung dieser Scores zeigt, dass der inhaltliche Qualitätsrückgang bei den verschiedenen Sonntagszeitungen und Magazinen in unterschiedlichen Qualitätsdimensionen gründet. Bei der NZZ am Sonntag ist über die Zeit eine leicht verminderte Einordnungsleistung festzustellen. Bei der WOZ, der Schweiz am Wochenende und dem SonntagsBlick ist jeweils die sinkende Vielfalt ausschlaggebend. Bei der Weltwoche ist die Professionalität, die sich an den Indikatoren Sachlichkeit, Quellentransparenz und Eigenleistung bemisst, abnehmend. Und bei Le Matin Dimanche betrifft der Leistungsrückgang alle vier Qualitätsdimensionen. Bei den Befragungsresultaten ist kein Qualitätsrückgang festzustellen. Das Publikum schätzt die Qualität der Sonntagszeitungen und Magazine ähnlich ein wie in den Jahren 2018 und 2016.

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität
Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums

Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob eine Sonntagszeitung oder ein Magazin unterdurchschnittliche (–1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.

Lesebeispiel: Der SonntagsBlick schneidet in der Vergleichsgruppe «Sonntagszeitungen und Magazine» sowohl bei der Inhaltsanalyse als auch bei der Befragung unterdurchschnittlich ab.

Die NZZ am Sonntag und die WOZ rücken zusammen Die liberale NZZ am Sonntag und die linksalternative WOZ stehen an der Spitze der Vergleichsgruppe. Dies zeigt, dass die Qualität eines Medientitels nicht an dessen politische Ausrichtung geknüpft ist. Die NZZ am Sonntag erreicht 76 von 100 Qualitätspunkten, die WOZ kommt auf 75 Punkte. Die beiden Blätter punkten in unterschiedlichen Feldern: Während die NZZ am Sonntag beim Publikum am besten abschneidet, liegt die WOZ in der Berichterstattungsqualität vorn. Dahinter folgen die SonntagsZeitung und die Weltwoche, die jeweils 66 Qualitätspunkte erreichen. Auch hier zeigt sich, dass

beim MQR redaktionelle Linie und Medienqualität unabhängig voneinander sind. Die Schweiz am Wochenende und Le Matin Dimanche landen knapp dahinter mit 62 und 61 Punkten auf dem fünften und sechsten Rang. Abgeschlagen ist hingegen mit 50 Qualitätspunkten der SonntagsBlick, der sowohl in der Befragung als auch in der Inhaltsanalyse unterdurchschnittliche Werte erreicht.