Sonntagszeitungen und Magazine

Die heutigen Mediengesellschaften zeichnen sich durch eine Verflüssigung von Nachrichtenproduktion, -inhalt und -rezeption aus: Liveticker, Pushnachrichten und soziale Medien schaffen und verlangen einen nie abreissenden Strom an Nachrichten. Sonntagszeitungen und Magazine können in dieser Informationsflut Orientierung stiften. Dies mag ein Grund sein, weshalb die Auflagenzahlen der Sonntagszeitungen und Magazine nicht so stark rückläufig sind wie jene der täglichen Abonnementspresse.

Ausschlaggebend ist hierbei weniger der sonntägliche Erscheinungstag, als viel mehr der wöchentliche Erscheinungsrhythmus, da dieser Zeit für aufwendige Recherchen und einordnende Hintergrundberichterstattung lässt. Nicht selten gelingt es den Sonntagszeitungen und Magazinen mit ihren Enthüllungen, starke Reaktionen in der Öffentlichkeit auszulösen und Debatten anzustossen.

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität
Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums

Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob eine Sonntagszeitung oder ein Magazin unterdurchschnittliche (-1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.

Lesebeispiel: Der SonntagsBlick schneidet in der Vergleichsgruppe «Sonntagszeitungen und Magazine» sowohl bei der Inhaltsanalyse als auch bei der Befragung unterdurchschnittlich ab.

Die NZZ am Sonntag und die WOZ stehen für Qualität Die Qualität eines Medientitels ist nicht an dessen politische Ausrichtung geknüpft. Dies zeigt sich darin, dass sich die liberale NZZ am Sonntag und die links-alternative WOZ einen Spitzenplatz in der Vergleichsgruppe der Sonntagszeitungen und Magazine teilen. Beide Blätter erreichen – trotz ihrer unterschiedlichen individuellen Stärken – gesamthaft je 77 von 100 Qualitätspunkten. Die NZZ am Sonntag schneidet in der Befragung am besten ab, die WOZ hat bei der Inhaltsanalyse die Nase vorn. Dahinter folgen die Weltwoche und die SonntagsZeitung, die jeweils 67 Qualitätspunkte erzielen.

Auch dies zeigt, dass sich anhand der Ausrichtung nicht auf die Medienqualität schliessen lässt. Die SonntagsZeitung schneidet in der Befragung besser als die polarisierende Weltwoche ab. Letztere kann jedoch in der Inhaltsanalyse punkten, vor allem in Bezug auf die Einordnungsleistung. Die Schweiz am Wochenende und Le Matin Dimanche landen knapp dahinter mit 65 und 64 Punkten auf dem fünften und sechsten Rang. Abgeschlagen ist hingegen der SonntagsBlick mit 50 Qualitätspunkten, der sowohl in der Befragung als auch in der Inhaltsanalyse unterdurchschnittliche Werte erreicht.