Tages- und Onlinezeitungen

Im digitalen Zeitalter konkurrenzieren Tages- und Onlinezeitungen nicht länger nur untereinander, sondern zusätzlich mit Informationsund Unterhaltungsangeboten aller Art aus aller Welt. Die Entfesselung des Wettbewerbs auf dem Werbe- und Lesermarkt hat in der Regel dazu geführt, dass sich Qualitätsjournalismus für Tages- und Onlinezeitungen zu einem Verlustgeschäft zu entwickeln droht. Denn die Werbegelder fliessen zu den Tech-Giganten und die Markenbindung und Zahlungsbereitschaft der Leserschaft schwindet. Die Medienhäuser haben drastische Massnahmen ergriffen, um ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern. So haben AZ Medien und die NZZ-Regionalmedien im Jahr 2018 das Joint Venture CH Media gegründet. Seither werden die Aargauer Zeitung, die Luzerner Zeitung und das St. Galler Tagblatt bei nationalen und internationalen Themen aus einer Mantelredaktion mit Sitz in Aarau bestückt. Auch die TX Group setzt verstärkt auf Zentralredaktionen – je eine in der Deutsch- und der Westschweiz –, und hat 2018 die Berner Zeitung und die Basler Zeitung in das Verbundsystem integriert. Das Medienqualitätsrating mit seinen wiederholten Messungen kann aufzeigen, welche Auswirkungen die aktuellen Entwicklungen im Medienmarkt der Schweiz auf die publizistische Qualität haben. Bei 14 von 21 Tages- und Onlinezeitungen zeichnet sich über die letzten Jahre vor allem ein Verlust an Vielfalt ab. Im Fall CH Media zeigt sich dies besonders deutlich: Die Aargauer Zeitung, die Luzerner Zeitung, das St. Galler Tagblatt sowie die zugehörigen Newssites luzernerzeitung.ch und tagblatt.ch verlieren allesamt in der Dimension Vielfalt. Zu diesem Ergebnis kommen Inhaltsanalyse und Befragung unabhängig voneinander.

Doch es gibt auch Ausnahmen. Die NZZ und der Tages-Anzeiger sowie deren Onlinependants nzz.ch und tagesanzeiger.ch haben an Vielfalt gewonnen. Diese Medientitel zeigen, dass es auch im digitalen Zeitalter für Tages- und Onlinezeitungen möglich ist, vielfältige Inhalte zu produzieren. Das Resultat ist womöglich die Folge einer bewussten Positionierung der publizistischen Flaggschiffe der NZZ-Mediengruppe und der TX Group.

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität

Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob ein Medientitel im Vergleich mit der Gruppe unterdurchschnittliche (–1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.

Lesebeispiel: Vergleicht man die Basler Zeitung mit den übrigen Tages- und Onlinezeitungen, erweist sich die inhaltsanalytisch gemessene Qualität als durchschnittlich. Bei der Befragung schneidet der Titel jedoch unterdurchschnittlich ab.

Der Bund schliesst zur Qualitätsspitze auf Wie zu erwarten war, halten NZZ und nzz.ch ihre Spitzenplatzierungen bei. Dennoch ist Bewegung im oberen Qualitätsfeld. Während Le Temps vor zwei Jahren noch Publikumsliebling gewesen ist, rücken die Befragten die einzige überregionale Tageszeitung der Suisse romande neu ins obere Mittelfeld. Der Ansehensverlust von Le Temps ist angesichts der nach wie vor hohen Berichterstattungsqualität erstaunlich. Der Bund hat hingegen in der Publikumsgunst deutlich gewonnen und schliesst neu zur Spitzengruppe auf. Das Traditionsblatt aus Bern hebt sich in der Berichterstattungsqualität nur leicht vom Tages-Anzeiger ab, mit dem es eine Mantelredaktion teilt. Deshalb ist es bemerkenswert, dass der Bund beim Publikum weit besser ankommt. Die Südostschweiz hat in den vergangenen zwei Jahren ebenfalls beim Publikum zugelegt und nimmt neu einen Platz im mittleren Qualitätsfeld ein. Die Basler Zeitung sowie die zugehörige Newssite bazonline.ch haben offensichtlich mit einem Imageproblem zu kämpfen: Während die Berichterstattungsqualität gemäss Inhaltsanalyse solide ist, erlangen sie beim Publikum die mit Abstand schlechtesten Bewertungen.