Tages- und Onlinezeitungen

Die gedruckte Abonnementspresse ist einem fundamentalen Wandel ausgesetzt. Grosse Herausforderungen ergeben sich aus veränderten Nutzungsgewohnheiten, rückläufigen Leserzahlen und Werbeeinnahmen, die zu starken Medienkonzentrationsprozessen geführt haben. Die Begleiterscheinungen sind vielfältig: die Zusammenlegungen von ehemals getrennten Redaktionen in integrierte Newsrooms, Zentral-, Mantelredaktionen oder Kompetenzzentren, Joint Ventures zwischen Verlagshäusern, fortgesetzte Sparrunden, Einstellungen von Zeitungstiteln, wie bei Le Matin geschehen, das vermehrte Setzen auf Automatisierung, Roboterjournalismus und Effizienzmassnahmen sowie (und nicht zuletzt) der Abbau von journalistischem Personal. Die Reduktion finanzieller, personeller und zeitlicher Ressourcen lässt die publizistische Qualität im Informationsjournalismus nicht unbeeinflusst. Zusätzlich geraten die Zeitungen on- und offline nun im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung in Bedrängnis: Onlinestrategien werden akzentuiert, ohne dass sich ursprünglich gehegte Renditeerwartungen im gewünschten Masse realisieren.

Die Nutzerinnen und Nutzer haben ausgeprägte Aversionen gegen Werbung im Onlinebereich. Zudem geraten die hiesigen Informationsanbieter durch die Tech-Giganten Facebook und Google unter Druck. Diesen fliessen die Werbegelder zu, die dann dem Informationsjournalismus fehlen. Auch positionieren sich die Tech-Giganten als News-Aggregatoren. Damit droht ein Bedeutungsverlust klassischer Medienmarken. Schliesslich führt die verstärkte Nutzung von Inhalten professioneller Newsanbieter über die Plattformen der Tech-Giganten dazu, dass die Markenbindung der Nutzerinnen und Nutzer schwindet. Auch dies schwächt die Erlöskraft des professionellen Informationsjournalismus. Die Medienunternehmen reagieren mit unterschiedlichen digitalen Strategien auf diese Herausforderungen. Es werden «harte» oder «metered» Paywalls eingezogen, Kooperationen mit den Tech-Giganten eingegangen, Kooperationen zwischen Medienhäusern intensiviert, Forderungen nach verbessertem Leistungsschutzrecht erhoben oder Werbeallianzen gegründet.

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität

Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob ein Medientitel im Vergleich mit der Gruppe unterdurchschnittliche (-1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.

Lesebeispiel: Vergleicht man die Südostschweiz mit den übrigen Tages- und Onlinezeitungen, erweist sich die inhaltsanalytisch gemessene Qualität als durchschnittlich. Bei der Befragung schneidet der Titel jedoch unterdurchschnittlich ab.

Le Temps schliesst zur Qualitätsspitze auf Im oberen Qualitätsfeld bewegt sich etwas. Die NZZ hält ihre Spitzenleistung zwar bei, ihr Onlineauftritt büsst aber einige Qualitätspunkte ein. Grosser Gewinner ist Le Temps. Das Qualitätsblatt aus der Suisse romande wird von dessen Publikum deutlich mehr wertgeschätzt als zwei Jahre zuvor. Entsprechend zieht Le Temps mit der NZZ gleich, und die beiden Titel führen die Gruppe der Tages- und Onlinezeitungen an. Der Bund, ein Neueinsteiger im Rating, positioniert sich ebenfalls im vordersten Drittel, gleichauf mit letemps.ch. Die Traditionszeitung aus Bern hebt sich in beiden Messverfahren qualitativ leicht vom Tages-Anzeiger ab, obwohl beide dieselbe Mantelredaktion teilen. Das Schlusslicht der Gruppe bildet lenouvelliste.ch. Erneut bestätigt sich das Bild, dass die Online-ausgaben nicht ganz mit ihren Pressependants mithalten können.

Einzig die Newssites der Berner Zeitung und der Basler Zeitung erzielen Punktegleichstand mit ihren Druckfassungen. Der Grossteil der untersuchten Tages- und Onlinezeitungen siedelt sich entlang beider Analyseverfahren im Mittelfeld an. Dies sowohl hinsichtlich der Berichterstattungsqualität als auch der Bevölkerungsbefragung. Von diesem Muster weichen vier Informationsangebote ab. Die Onlineausgabe der St. Galler Zeitung liegt in der Befragung auf Augenhöhe mit anderen Newssites von Regionalangeboten, die Inhaltsanalyse stellt dem Titel jedoch ein unterdurchschnittliches Zeugnis aus. Bei der Südostschweiz und bei der Basler Zeitung wird – off- wie online – hingegen umgekehrt eine solide Berichterstattungsqualität gemessen, während das Publikum diese im Gruppenvergleich unterdurchschnittlich einstuft.