Vorwort

Dies ist die zweite Ausgabe der Bestenliste der Schweizer Informationsmedien. Das Medienqualitätsrating MQR-18 analysiert und bewertet die Qualität der 50 reichweitenstärksten Informationsmedienaus der Deutschschweiz und der Suisse romande in den Gattungen Presse, Radio, Fernsehen, Online – insgesamt sind es sieben Titel mehr im Vergleich zur Erstausgabe.

Das Rating misst die Berichterstattungsqualität mit einem inhaltsanalytischen Verfahren und die Qualitätswahrnehmung mit Hilfe einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Diese zweifache Medienqualitätsmessung ist national wie international einmalig.

Neu sind die Ergebnisse aus den beiden aufeinander abgestimmten Erhebungen zu einem Gesamtscore zusammengeführt, der sowohl die inhaltliche Qualität des Mediums als auch seine Qualitätswahrnehmung beim Publikum umfasst.

Die Logik des digitalen Medienmarktes, dessen Masseinheit die Reichweite ist, verändert die Publizistik. Online ist der meistgeklickte Artikel der beste. Das Publikum bestimmt so die Wichtigkeit von Informationen wesentlich mit.

Geblieben ist der Anspruch: Das Medienqualitätsrating (MQR) will die Medienqualität in der Schweiz fördern und das Qualitätsbewusstsein sowohl bei den Medien selbst als auch bei deren Nutzerinnen und Nutzern stärken. Die Qualität der Informationsmedien bleibt elementar für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit relevanten Themen. Medienqualität schlägt sich direkt in der Qualität des demokratischen Diskurses nieder. Dem MQR liegt deshalb ein Qualitätsverständnis zugrunde, das den gesellschaftlichen Nutzen des Journalismus in den Mittelpunkt stellt.

MQR-18 zeigt gegenüber der Ausgabe von 2016 signifikante Unterschiede, was angesichts der sich rasch wandelnden Medienszene wenig erstaunt. 15 der untersuchten 50 Informationsmedien büssen in der Berichterstattungsqualität gegenüber 2016 an Qualitätspunkten ein, nur 4 verbessern sich. Die Leuchttürme des Schweizer Qualitätsjournalismus haben jedoch nichts von ihrer Qualität eingebüsst.

Bemerkenswert ist, dass in den Augen der Bevölkerung die Informationsangebote der SRG an Qualität und Vertrauen hinzu gewonnen haben, etwa die Sendungen Le 12h30 und Rendez-vous. Allem Anschein nach war die intensive Debatte über die Initiative für die Abschaffung der Rundfunkgebühren (No Billag) dem öffentlichen Ansehen der SRG eher zu- als abträglich.

Die grössten Qualitätseinbussen lassen sich bei den regionalen Abonnementszeitungen beobachten. So erzielen 24 heures (-8), die Berner Zeitung (-6) und die Aargauer Zeitung (-6) deutlich weniger Qualitätspunkte als noch vor zwei Jahren. Ausschlaggebend sind der weniger ausgewogene Themenmix sowie eine rückläufige Hintergrundberichterstattung – es ist ein Verlust an Vielfalt und Einordnungsleistung. Der Spardruck in den Printredaktionen hinterlässt offensichtlich seine Spuren. In der Qualitätswahrnehmung der Bevölkerung schlägt sich das indessen (noch?) nicht nieder.

Es gibt aber auch bemerkenswerte Entwicklungen auf der positiven Seite. Gegenüber 2016 hat der Sonntagsblick seinen Score in der Berichterstattungsqualität um 6 Punkte verbessert. Das ist erwähnenswert, da vor der letzten Erhebungsperiode im Hause Ringier der Newsroom eingerichtet worden war, aus dem alle Titel bespielt wurden. Die Chefredaktion und ein Rumpfteam mussten sich jeweils ab Donnerstag um personelle Ressourcen und Storys für den Sonntag balgen – heute gibt es wieder ein eigenständiges Redaktionsteam, was sich in Bezug auf die Qualität offensichtlich bezahlt macht.

Die Printausgabe von Le Matin hat die Tamedia AG kurz nach Abschluss der Erhebungen fürs MQR-18 eingestellt und ist dafür heftig kritisiert worden. In der Gruppe der Boulevard- und Pendlerzeitungen steht die Onlineausgabe von lematin.ch auf dem Siegerpodest. Lematin.ch erreicht in beiden Dimensionen mehr Punkte als die bisherige Printausgabe. Das ist ein Versprechen für die Zukunft. Und watson.ch, das Online-Prestigeprojekt von Verleger Peter Wanner, liegt mit dem Gruppensieger lematin.ch praktisch gleichauf.

Qualität ist keine Frage von analog oder digital, sondern von Strategien und Investitionen der Verlagshäuser. Qualitätsjournalismus ist ein gesellschaftlicher Auftrag. Dies will der Stifterverein Medienqualität Schweiz mit diesem Rating unterstreichen.

Ein herzliches Dankeschön gebührt den ausführenden Instituten, unseren Vereinsmitgliedern, dem Vorstand und den Donatoren (Liste siehe Kapitel Stifterverein) sowie allen Helferinnen und Helfern, die mit ihrer grossartigen Unterstützung dieses Werk ermöglicht haben.

September 2018


Andreas Durisch, Gründungsmitglied Stifterverein Medienqualität Schweiz



Das goldene Q erhalten die jeweiligen Gruppensieger sowie jenes Medium,
das gegenüber 2016 am meisten Qualitätspunkte dazugewonnen hat.

Gruppensieger 2018:
  • Neue Zürcher Zeitung und Le Temps (Vergleichsgruppe: Tages- und Onlinezeitungen)
  • NZZ am Sonntag (Vergleichsgruppe: Sonntagszeitungen und Magazine)
  • lematin.ch (Vergleichsgruppe: Boulevard- und Pendlerzeitungen)
  • SRF – Echo der Zeit (Vergleichsgruppe: Radio- und Fernsehsendungen)
Aufsteiger 2018:
  • SRF – Rendez-vous